Verbinde deine Gedanken um sie zur Einheit zu bringen!

Im alten Wissen werden nicht nur Dinge, die wir mit unseren Augen sehen können als Dinge angesehen, die rein äußerlich betrachtet werden können, sondern alle Dinge die für uns existieren, auch wenn sie erst einmal keine für uns sichtbare Form haben. So werden z.B. auch Gedanken erst einmal als Bild, wie sie uns kommen, rein äußerlich betrachtet. Doch wie können wir unsere Gedanken zur Einheit bringen?

Auch das Denken beginnt als etwas Äußerliches, denn ein Gedanke beginnt als etwas Äußerliches, gedacht wird in einem Bild. Bilder können kombiniert werden und es besteht die Gefahr und die Neigung, sie als Absolutes zu betrachten. Es kann aber auch die Absicht bestehen, diesen Gedanken mit einem anderen zu verbinden, mit anderen Gedanken zu konfrontieren, also zu einer Einheit zu bringen. Und diese Einheit kann dann wieder mit der großen Einheit des Unbegrenzten verbunden werden. Ein Beispiel von Friedrich Weinreb hierzu:

Jemand findet durch Wahrnehmung, Kombinieren und Nachdenken heraus, daß eine bestimmte Krankheit mit dem Einatmen bestimmter Stoffe oder mit dem Genuß gewisser Dinge zusammenhängen muß. Dann kann er ein Gegenmittel verschreiben in Form von Medikamenten, die die Wirkung der ungeeigneten Nahrung aufheben. Er wird sich auf seinen Erfolg einiges einbilden und sich vielleicht veranlaßt fühlen, sich auf die möglichen Zusammenhänge zwischen Seifenarten und Hautkrankheiten zu spezialisieren. Andererseits könnte er aber auch fragen, wie es kommt, daß der Mensch diese Stoffe einatmet; ob es nötig ist, daß man diese Stoffe herstellt und mit ihnen umgeht; oder ob es sinnvoll ist, daß der Mensch solche Nahrung zu sich nimmt? Wenn er die Fragestellung vertieft, wird er zu den Grundlagen vorstoßen, die unsere Gesellschaft prägen. Wenn er sich dann darauf verlegt, Reformen durchzuführen, um eine gesündere und vernünftigere Lebensweise durchzusetzen, wenn er Propaganda für eine aufgeklärte Gesellschaft betreibt, dann kann er unter Umständen noch gefährlicher werden als der zuerst Erwähnte; sein Ziel ist einzig und allein die Gesellschaft, der er Gesundheit bringen will. Die Frage, wie die Menschheit überhaupt zu dieser Art des Zusammenlebens gekommen ist, warum der Mensch nicht nach dem Sinn des Lebens sucht, warum er sich mit allerlei Ausflüchten zufrieden gibt, stellt sich ihm gar nicht. Und er endet bei der Frage: Warum bin ich so, warum tue ich dies alles? Dann muß er einsehen, daß man nur aus Überheblichkeit glauben kann, die Gesellschaft sei durch Propaganda oder Organisation zu verändern. Und er wird einsehen müssen, daß Rettung allein von Gott kommt. Die einzige positive Tat die uns zu tun bleibt, ist das Öffnen der Tore zum en sof, aus dem Gott ruft, um in diese Welt eingelassen zu werden. Ein Gedanke kann daher nur das Gute fördern, wenn er diese Türen aufstößt. Geschieht dies nicht, dann ist dieser Gedanke gefährlich und gebiert ständig neue Gefahr, bei sich wie bei anderen.

Friedrich Weinreb, Leben im Diesseits und Jenseits S.64f